Montag, 7. april 2008

Huch!. Bevor ich damit beginne, den neuen Film „Kirschblüten – Hanami“ von Regisseurin Doris Dörrie in den Himmel zu loben, möchte ich anmerken, dass ich vor einiger Zeit die Sektion „Deutscher Film“ ziemlich verrissen hab. Als Entschuldigung hier eine übliche Phrase: Ausnahmen bestätigen die Regel! J so denn:

 

Das Ehepaar Rudi (Elmar Wepper) und Trudi (Hannelore Elsner) lebt das typische Alltagsleben. Während Rudi seiner Arbeit nachgeht und von seiner Frau nur am Rande Notiz nimmt, so kümmert sie sich um den  Haushalt, pflegt ihren kränkelnden Mann und gibt die aufopfernde und hilfsbereite Gattin. „An apple a day keeps the doctor away“ lautete Rudis Devise, mit der er bisher glückselig durchs Leben kam, doch das Glück wird zumindest für Trudi gänzlich geschmälert, als sie erfahren muss, dass ihr Mann an Krebs erkrankt ist und seine Zeit abläuft. Da sie ihren Mann noch einige schöne Wochen bescheren möchte, verschweigt sie ihm die Diagnose und versucht ihn zu mehr Aktivitäten zu überreden, die er entweder total ablehnt oder meckernd und maulend verdirbt.

Der Besuch bei den Kindern endet mit der ernüchternden Feststellung, dass weder die Kinder ihren Eltern, noch die Eltern ihren Kindern etwas zu sagen haben und so ziehen Rudi und Trudi weiter Richtung Küste, doch auch dort gibt sich Rudi äußerst unzufrieden und wünscht sich seinen Alltag zurück. Trudis Versuche ihren Mann zu einem Besuch bei ihrem Sohn in Japan zu überreden, scheitern an dessen Unlust und Egoismus.

Als Trudi unerwartet stirbt, muss sich Rudi in einer neuen Situation zurechtfinden, die ihm keine Chance für Egoismus und Unlust lässt und somit muss er erfahren, wie viel ihm seine Frau bedeutet hat, deren Anwesenheit er jahrelang als selbstverständlich abgetan hat. Da seine Frau einst ihren größten Wunsch, eine Butohtänzerin zu werden, für die Familie und vor allem für Rudi aufgeben musste, möchte er an ihrer Stelle in das Land reisen. Er besucht den gemeinsamen Sohn, den Trudi wegen Rudis Weigerung nicht mehr sehen konnte, und lernt das fremde Land und die fremde Kultur nur sehr zögerlich und mit einigen Problematiken kennen .Schließlich freundet er sich mit einer jungen Buthotänzerin an, die ihm die Kultur des Landes und vor allem den Ausdruckstanz näher bringt, und ihm über den Tod seiner Frau hinweghilft.

 

Doris Dörrie, die ebenfalls das Drehbuch geschrieben hat, fängt mit dem Film mehr als einmal unheimlich realistische Situationen ein, die jedem irgendwie bekannt vorkommen dürften. Sei es die typischen Alltagssituationen von Trudi und Rudi, oder eben die Zeit bei ihren Kindern. Die Diskussionen und sehr deutlich zu Tage tretenden Emotionen, gerade der Kinder, sind wunderschön gespielt und haben schon leicht satirischen Charakter. Das Leben der Kinder wird jahrelang ignoriert und offensichtlich wissen die Eltern auch nicht wirklich bescheid, wer ihre Kinder sind, bzw. was aus ihren Kindern geworden ist. Hannelore Elsner spielt sehr gefühlvoll und gibt die verzweifelte Ehefrau, die zeit ihres Lebens nur ihre Familie glücklich machen wollte, nur um selbst letztlich unglücklich sterben zu müssen. Schon zu Beginn des Films ist die Rolle der Trudi entscheidender Motor für die Handlung. Sie treibt ihren Mann an und ohne sie scheint die Handlung stecken zu bleiben. Dieser Einschnitt ist hervorragend geraten, leider ist die zweite Hälfte des Films tatsächlich erzählerisch sehr vom Stillstand geprägt. Der Motor fehlt. Ab hier wirkt der Film teils träumerisch überzogen und die Handlung verliert an Realität. Das farbenfrohe, schnelle und hektische Leben in Japan steht in Kontrast zu der Schönheit, Emotionalität und Traurigkeit, die mit der Szenerie der Kirschblüten, des Ausdruckstanzes und Rudis Verlust verbunden sind.

 

Auch, wenn der Film an einigen Stellen unheimlich an Sophia Coppolas "Lost in Translation" erinnert, selbstverständlich auf die Darstellungen der japanischen Sitten und Kultur bezogen, so sollte man sich hier bei der Kritik etwas zurückhalten und dem Film seine Einzigartigkeit dann doch gönnen. Doris Dörrie beschreibt das Leben zweier gewöhnlicher Menschen, die es in ihrem gemeinsamen Leben versäumt haben aufeinander und die Wünsche des anderen einzugehen. Der Tod Trudis hat Rudi einen neuen Blickwinkel auf die Welt eröffnet und seine Einsamkeit hinzu eigenen Antrieb, den er vorher nicht hatte. Der Film ist auch ein Fingerzeig auf Ignoranz, gerade innerhalb einer Familie. Menschen die beisammen sind, kennen sich nicht, oder wollen sich nicht kennen und werden sich ihrer Emotionen erst bewusst, wenn die Situation sich derart plötzlich und schrecklich verändert. Der Film handelt vom Kennen lernen und von der Aufmerksamkeit, die ein Mensch einem anderen schenkt, aufgrund dessen Tod.  Eine Aufmerksamkeit, die man durchaus schon früher hätte schenken sollen.
More Hugs for free!

von Odie veröffentlicht in: Filme
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Samstag, 15. märz 2008
Keine Welle der Begeisterung für den neuen Film mit Jürgen Vogel. Auch wenn der Trailer durchaus neugierig machte und sogar das Gefühl vermitteln konnte, dass hinter der deutschen Filmversion des Jugendbuches von Morton Rhue tatsächlich eine gelungene Inszenierung steckt, so konnte der Film letztlich mit den entstandenen Erwartungen nicht Schritt halten. Schade eigentlich, denn die Basis war gut.
 
Der junge Sport- und Politiklehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) erfreut sich größter Beliebtheit bei seinen Schülern. Er trainiert nebenher die Wasserballmannschaft, der auch einige seiner Schüler angehören. Die bevorstehende Projektwoche beginnt schon mit der Hiobsbotschaft, dass er nicht wie geplant den Anarchiekurs übernimmt, sondern den Autokratiekurs, welchen er nur widerwillig leitet. Trotz seiner Abneigung gegenüber dem Kurs, haben sich sehr zu seiner Überraschung viele Schüler für seinen Kurs entschieden. Das vertraute Verhältnis zwischen ihm und den Jugendlichen, die ihn duzen führt zu einem lockeren Beginn in die Projektwoche. Als die Schüler das Thema Autokratie und Faschismus besprechen, kommt die Frage auf, ob so was wie Diktatur in Deutschland überhaupt noch mal möglich sei, was die meisten verneinen. Rainer Wenger hat nun die Idee es auf einen Versuch ankommen zu lassen und führt plötzlich seltsame Regeln ein, wie aufstehen bevor man spricht, ihn mit Herrn Wenger anzusprechen oder dass man nur nach einer Aufforderung sprechen darf. Den Schülern machen die neuen Sitten zwar erst ab dem zweiten Tag so richtig Spaß, aber dann sind sie zu allem bereit und das Spiel gerät außer Kontrolle. Man gibt der Gruppe den Namen „Die Welle“ und führt einheitliche Kleidung ein. Außenseiter wie der junge Dennis (Jacob Matschenz) entwickeln sich zu den stärksten Befürwortern der Gruppe, die nun auch versucht andere für die Bewegung zu gewinnen und schließlich ab dem dritten Tag Mitschüler ausgrenzt, die nicht interessiert sind mitzumachen. Die Welle und die Entwicklung ihrer Anhänger beeinflusst schließlich auch die Beziehung von Karo (Jennifer Ulrich) und Marco (Max Riemelt) als Karo sich gegen die Gruppe entscheidet. Um die Ausbreitung der Bewegung in Gang zu bringen schrecken die Jugendlichen selbst vor Gewalt nicht zurück, was schließlich zum Eklat führt als Karo und eine Freundin bei einem Wasserballturnier Handzettel gegen „ Die Welle“ verteilen. Als Marco dann auch noch seine Freundin schlägt, wird Rainer Wenger klar, dass er die Sache schnellstmöglich beenden muss. Er beruft eine große Versammlung aller Anhänger der Welle ein und hält eine imposante Rede, ganz im Stil von Adolf Hitler und macht die Jugendlichen letztlich darauf aufmerksam, worum es in diesem Experiment eigentlich ging. Als schließlich Marco vor aller Augen für seine negative Einstellung der Bewegung gegenüber fast Opfer von Gewalt wird, gehen den Schülern die Augen auf. Und die Frage, ob so was wie Faschismus heute noch möglich sei, beantwortet sich von selbst. Der labile Schüler Dennis jedoch, der sein Herzblut und seine ganze Überzeugung der Welle geopfert hat, erträgt es nicht nur Teil eines Experiments geworden zu sein und schießt erst auf einen Mitschüler dann auf sich selbst. Der Film endet damit, dass Rainer Wenger wohl für die Anstichelung von Schutzbefohlenen und den damit verbundenen Tod eines Schülers verhaftet wird.
 
Im Gegensatz zu Morton Rhue’s Bestseller "The Wave" von 1981, der sich auf eine wahre Begebenheit von 1969 bezieht, hat Filmregisseur Dennis Gansel die Geschehnisse in die heutige Zeit verfrachtet. Dadurch stößt der Film bei heutigen Jugendlichen mit Sicherheit auf mehr Interesse, aber vor allem sollte es wohl die Zeitlosigkeit der Faschismus Problematik verdeutlichen. Leider, ich betone: LEIDER, wirkt der Film unheimlich gestellt. Jede Szene, jeder Dialog schreit „Keine Sorge, das ist nicht real, das ist nur ein Film“ und eben dieses Gefühl tut dem Film nicht gut, und schon gar seinem eigentlich Sinn und Zweck. Schüler von heute haben, gerade was Lebenseinstellung und Verhalten angeht, so gut wie nichts mehr mit Schülern von 1969 gemein. Heute kann ein Lehrer so cool sein wie er will. Um Jugendliche dazu zu bringen aufzustehen, bevor sie sprechen und um Grufties, Rocker und wie sie alle heißen zum Tragen von weißen Hemden zu nötigen, bedarf es mehr als 2-3 Tage und bis die solch eine Aktion wie sie im Film geschildert wird, so krass finden, dass sie auch in ihrem Privatleben danach handeln, bedarf es mehr als eine Projektwoche.
Die Schauspielerischen Leistungen von Jürgen Vogel lassen sehr zu wünschen übrig, denn selbst er in der Rolle des kumpelhaften Sport und Politiklehrers, stolpert holprig über seinen Text und wirkt vor allem im Klassenzimmer wie ein Nachrichtensprecher der seinen Text ablesen muss. Der Dialog in der Klasse kommt recht hölzern daher und wirkt abgehakt nicht flüssig. Dadurch werden die ernsten Themen der Autokratie unglaubwürdig. Hier wäre es durchaus ratsamer gewesen, gerade die Jugendlichen improvisieren zu lassen. Die Schauspielkunst sucht man hier vergebens, daran konnte auch das Augenkullern der charmanten Christiane Paul nichts ändern.
Ebenfalls fatal wirkt der gewollte Versuch alle möglichen Charaktere unterzubringen. Da ist der Klassenclown, der Sportler, die Zicke, die Coole, das Bonzenkind und natürlich der Freak. Fast wie ein Abriss aus „The Breakfast Club“, nur dass dieser eben lustig sein sollte, und „Die Welle“ eigentlich keinen Grund zum Lachen gibt. Gansel versucht zwar anscheinend typische Charaktereigenschaften und vor allem Erscheinungsbilder heutiger Jugendlicher einzufangen und schafft das auch, doch hat mir das Verhalten diverser Jugendlicher vor bestehen der Welle mehr Gänsehaut bereitet als das Verhalten derselben in der späteren faschistischen Gemeinschaft. Wenn das noch mehr Zuschauern so erging, ich befürchte es fast, dann hat der Film tatsächlich am Ziel vorbeigeschossen. 
Fest steht: Faschismus war und ist immer noch ein böses Thema, das scheinbar irgendwo in dicken Büchern verschwunden ist und nur noch von „Stern“ und Co. hin und wieder aufgegriffen wird. Leider sind es nicht nur die Sternleser, denen es an einer solchen Aufklärung bedarf. Empfehlen kann ich den Film leider nicht, zumindest nicht fürs Kino, und schon gar nicht für einen saftigen Preis von mindestens 7 Euro. Wer tatsächlich wissen will, was die „Moral von der Geschicht’“ eigentlich ist, liest bitte das Buch!!!

So richtig erschreckend (das Lachen ist mir an einigen Stellen in der Kehle stecken geblieben) ist dieser kleine Film. Es handelt sich um die Uraufführung des Films für einige Münchner Schüler, die sogleich auch ein paar Sätze dazu sagen sollten. Göttlich!!!

http://www.youtube.com/watch?v=QwbmK7G9Dcc
von Odie veröffentlicht in: Filme
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Freitag, 14. märz 2008
Ich gehe zumeist immer noch hartnäckig davon aus, dass im Jahre 2008 Menschen regelmäßig ein Kino besuchen. Es entrüstet mich ungemein immer wieder feststellen zu müssen, dass bestimmte Menschen immer noch mit Begeisterung die schlechte Eiswerbung von Magnum Java bestaunen, obwohl sie schon seit Jahren mit denselben halbnackten Weibern und mittlerweile recht nervtötender Musik an der Leinwand klebt.
Kaum ein Wunder, wenn eben diese Menschen, die scheinbar nur jedes Schaltjahr mal ihren Fernseher und damit verbundene Frittenfilme á la Rosamunde Pilcher, Alarm für Cobra 11, Tatort oder gar den künstlerisch wertvollen Sat 1 Film stehen lassen, nur um endlich einmal wieder den Geruch von frischen Popcorn zu schnuppern. Da mag es auch nicht weiter verwundern, dass diese besondere Spezies Mensch geradezu frohlockt, wenn der Eismensch ins Kino stolpert. Dieser ist meist ein mitteloser Student, der sich die Peinlichkeit geben muss in einem vollbesetzten Kino nach vorne zu tapern, einen vollen Eiskorb in der Hand und mit zitternder Stimme schreit „Will noch jemand ein Eis?“, ich verkneife mir ein ebenso lautes „Nein!!!“ mit Sicherheit nicht. Ganz im Gegenteil von diversen Couch potatoes, die beim Anblick der vielen Eisbeutel sogleich in einen ungeahnten Kaufrausch verfallen und den Beginn der Filmvorführung künstlich in die Länge ziehen. Man mag es Ihnen verzeihen…wann hat man dazu schon Gelegenheit. Zumeist sind es aber leider auch diese Menschen, die während des Films zig mal auf Toilette müssen, jaaa die Blase muss man trainieren, die Kinovorschau ist länger als noch vor 10 Jahren, und bei ihren „wenn ich muss dann muss ich“ Aktionen ständig im Bild stehen. I Tüpfelchen dieser besonderen Rasse ist die Filmbewertung. Anspruchsvolle Filme wie Die Geisha oder auch Good night and Good luck werden hemmungslos Zerrissen, weil anscheinend die heutige Volksverdummung weiter fortgeschritten ist, als Statistiken überhaupt feststellen könnten. Ohne direkte Szenenankündigungen wie „Achtung jetzt kommt ein Karton“ oder „Hier kommt die Maus“ hat der Deutsche nicht geahnte Verständnisprobleme, was bei der unheimlich harschen Schnittfolge eines Quentin Tarantino oder die dreiste Annahme von Vorkenntnissen, man nehme "München", schlechte Kritiken zur Folge hat. Sollte man sich also tatsächlich über den hohen Anspruch heutiger Kinofilme beschweren wollen…keine Sorge….zutiefst anspruchslose Filme findet man zumeist in der Sektion „deutscher Film“ der mit preisgekrönten Krachern wie „Die 7 Zwerge – Männer allein im Wald oder auch Germanikus das gemeine Volk amüsiert. Wem das als Entertainment Tief noch nicht genügt, kann sich mit Sicherheit schon bald „American Pie 8 – Endlich im Ruhezustand“ oder „Super süß und richtig scheiße“ anschauen….da kann man dann auch meinetwegen eine ganze Kühltruhe voll Eis bestellen oder eine Toilette mitten im Saal installieren, ich persönlich halte mich fern solcher „Ja ne..is klar“ - Massenvorführungen und sitze am liebsten alleine mit einem Kumpel oder einer Kumpeline in der Spätvorstellung von "Die Weisse Massai mit einer Tüte Popcorn, keinem Eis und einer durchtrainierten Blase….SO macht Kino Spaß
von Odie veröffentlicht in: Filme
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