Komisch , komisch. Als gebürtiger Hesse kommt man sich in Bayern ab und an, und wenn dann sehr deutlich, vor wie ein Austauschschüler. Die Sprache versteht man irgendwie, aber auch nur wenn sich nicht 2 Muttersprachler unterhalten, aus der Politik sollte man sich ganz raushalten, weil man ja eh keine Ahnung hat, und diverse Bayrische Marotten, man nehme nur die Jahreszeitenunabhängige Volksfestmanie, macht man mit, aber irgendwann schickt’s halt auch mal. Dann möchte man gern mal wieder in die Heimat, möglichst kein Bier trinken und mit Leuten reden, die dieselbe Sprache sprechen. Leider bin ich an Bayern gekoppelt und kann mir solch schöne Ausflüge ins Äpplewoiland grad nicht gönnen, deshalb ertrage ich mein Leid und lästere derweil ausgiebig über das lustige Ländle.
Bayern ist ja nicht so, wie andere Bundesländer sind. Bayern macht ja immer seine eigenen Regeln. Nicht nur, dass es hier die CSU und
nicht die CDU gibt, nein auch bei Gesetzesneuerungen hinkt Bayern erstens immer hinterher, zweitens gibt’s hier immer ne extra Wurscht. So auch beim Nichtraucherschutzgesetz, das eigentlich ja
schon letztes Jahr in Kraft getreten ist, also laut Gesamtdeutschen Beschluss. Bayern konnte sich ja erst zu Beginn des Jahres 2008 dazu durchringen und trotzdem---läuft in Bayern immer noch
alles anders.
Während mein Heimatbundesland Hessen es vorzieht so genannte „Raucherräume“ zu genehmigen, falls die Wirte denn mit Leib und Seele an
ihren qualmenden Kunden hängen, so meinen die Bayern, das sei viel zu schwach angelegt, selbst durch Türen, sei den Nichtrauchern der Tod noch sicher und so werden Raucher hier auf die Straße
gejagt. Denkste…..nix da. Raucher sind hier plötzlich herzlich Willkommen. Statt bösen Gesichtern, wenn man sich als Raucher outet überreicht man dir sogleich einen Aschenbecher und freut sich
über deinen Besuch und nicht nur das. Man stelle sich vor man betritt eine kleine Kaschemme und wird sogleich gefragt, ob man Mitglied im Raucherclub ist. BITTE? Nein, selbstverständlich sind
meine Ambitionen einen aus einer Laune entstandenen Verein beizutreten nicht sonderlich stark, mal ganz davon abgesehen, dass man ihn auch Krebspatientenclub nennen könnte und das nicht mal halb
so schön beitretungswürdig klingt. Es reicht anscheinend nicht mehr, öffentlich zu bekunden, dass man kein Problem mit dem Gequalme seiner Tischgenossen hat, nein seit neuestem muss man dafür
Kohle abdrücken und seine Personalien an eine wildfremde Clubgemeinschaft abgeben, die scheinbar aus lauter bayerischer Wirtsfürsorge innerhalb weniger Wochen eine Art Subkultur geschaffen hat.
Wer nicht dabei sein will, tja der muss draußen bleiben. Der ist dann aber auch selbst schuld, immerhin sind auch Nichtraucher herzlich eingeladen, dem Raucherclub beizutreten, Überzeugung hin
oder her….aber wer entscheidet sich dagegen, wenn ihm der totale Ausschluss droht? Harmlose Kneipenbesitzer bäumen sich vor dir auf und fragen zuallererst nach deiner Mitgliedschaft. Da kommt
schon ein leichter Faschismus durch. Wer nicht mitmacht wird gedisst und zudem auch noch mit einem nicht gerade bittenden Unterton nach draußen verwiesen. Da schaut man sich dann das nette
Dackelbild an der Tür an, mit einem fröhlich dir ins Gesicht pinkelnden „Wir müssen draußen bleiben“ und du weißt genau, wo ungefähr du dich auf der Gesellschaftskette befindest. Im Hessischen
Raucherraum wär so was ja nicht passiert. Da geht man stolz an den Nichtrauchertischen vorbei und freut sich, dass man mit viel zu vielen Rauchern und viel zu schlechten Lüftungsanlagen in einem
Raum sein darf und am eigenen Qualm fast erstickt. Aber gut. In Bayern ist halt alles anders. Da wehrt man sich noch. Bei den Studiengebühren hat zwar der ganze Freistaat gepennt, aber wenn’s um
Menschliche Bedürfnisse geht, vor allem die Tödlichen, da simma dabei. Und dann kämpfen wir mit harten Bandagen um das recht auch weiterhin die Massen einräuchern zu dürfen.
Das Nichtraucherschutzgesetz hat man hier ja mal völlig falsch verstanden. Oder vielleicht auch endlich mal richtig, man weiß es nicht. Die Bayern haben ja das beste Abitur ganz Deutschlands,
also wenn’s die Bayern nicht verstehen, wer dann? Hier heißt das dann eher „wer den Nichtraucher schützt, wird gnadenlos ignoriert“. Da hat der Bayer, obwohl er sich so ins Zeug gelegt hat, das
global schärfste Nichtraucherschutzgesetz durchzusetzen, natürlich voll ins Klo gegriffen. Aber wer konnte denn ahnen, dass die Wirte sich gerade hier so gegen die Obrigkeit aufbäumen. Ich bin
gespannt wie's weitergeht. Ich habe mich selbst dazu nötigen lassen, beizutreten. Wer schwimmt schon gerne gegen den Strom, bzw. wer steht schon gerne draußen wenn’s regnet und gut das bisschen
Geld kann ich mir auch noch leisten. Aber wo zum Teufel bleibt mein Mitgliedsausweis, als Freifahrtschein für diverse Raucherclublokalitäten im schönen Freistaat? Gibt’s so was wie ne Familycard?
Kann ich Happy Digits sammeln? Läuft die Mitgliedschaft nach einem Jahr ab oder heißt das jetzt PRO Qualm auf Lebenszeit. Gibt’s Prozente auf diverse Tabakwaren?
Irgendwie fehlt’s da noch am nötigen Programm, oder einer Opposition.
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