Keine Welle der Begeisterung für den neuen Film mit Jürgen Vogel. Auch wenn der Trailer durchaus neugierig machte und sogar das Gefühl vermitteln konnte, dass
hinter der deutschen Filmversion des Jugendbuches von Morton Rhue tatsächlich eine gelungene Inszenierung steckt, so konnte der Film letztlich mit den entstandenen Erwartungen nicht Schritt
halten. Schade eigentlich, denn die Basis war gut.
Der junge Sport- und Politiklehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) erfreut sich größter Beliebtheit bei seinen Schülern. Er trainiert nebenher die
Wasserballmannschaft, der auch einige seiner Schüler angehören. Die bevorstehende Projektwoche beginnt schon mit der Hiobsbotschaft, dass er nicht wie geplant den Anarchiekurs übernimmt, sondern
den Autokratiekurs, welchen er nur widerwillig leitet. Trotz seiner Abneigung gegenüber dem Kurs, haben sich sehr zu seiner Überraschung viele Schüler für seinen Kurs entschieden. Das vertraute
Verhältnis zwischen ihm und den Jugendlichen, die ihn duzen führt zu einem lockeren Beginn in die Projektwoche. Als die Schüler das Thema Autokratie und Faschismus besprechen, kommt die Frage
auf, ob so was wie Diktatur in Deutschland überhaupt noch mal möglich sei, was die meisten verneinen. Rainer Wenger hat nun die Idee es auf einen Versuch ankommen zu lassen und führt plötzlich
seltsame Regeln ein, wie aufstehen bevor man spricht, ihn mit Herrn Wenger anzusprechen oder dass man nur nach einer Aufforderung sprechen darf. Den Schülern machen die neuen Sitten zwar erst ab
dem zweiten Tag so richtig Spaß, aber dann sind sie zu allem bereit und das Spiel gerät außer Kontrolle. Man gibt der Gruppe den Namen „Die Welle“ und führt einheitliche Kleidung ein. Außenseiter
wie der junge Dennis (Jacob Matschenz) entwickeln sich zu den stärksten Befürwortern der Gruppe, die nun auch versucht andere für die Bewegung zu gewinnen und schließlich ab dem dritten
Tag Mitschüler ausgrenzt, die nicht interessiert sind mitzumachen. Die Welle und die Entwicklung ihrer Anhänger beeinflusst schließlich auch die Beziehung von Karo (Jennifer Ulrich) und Marco
(Max Riemelt) als Karo sich gegen die Gruppe entscheidet. Um die Ausbreitung der Bewegung in Gang zu bringen schrecken die Jugendlichen selbst vor Gewalt nicht zurück, was schließlich zum Eklat
führt als Karo und eine Freundin bei einem Wasserballturnier Handzettel gegen „ Die Welle“ verteilen. Als Marco dann auch noch seine Freundin schlägt, wird Rainer Wenger klar, dass er die Sache
schnellstmöglich beenden muss. Er beruft eine große Versammlung aller Anhänger der Welle ein und hält eine imposante Rede, ganz im Stil von Adolf Hitler und macht die Jugendlichen letztlich
darauf aufmerksam, worum es in diesem Experiment eigentlich ging. Als schließlich Marco vor aller Augen für seine negative Einstellung der Bewegung gegenüber fast Opfer von Gewalt wird, gehen den
Schülern die Augen auf. Und die Frage, ob so was wie Faschismus heute noch möglich sei, beantwortet sich von selbst. Der labile Schüler Dennis jedoch, der sein Herzblut und seine ganze
Überzeugung der Welle geopfert hat, erträgt es nicht nur Teil eines Experiments geworden zu sein und schießt erst auf einen Mitschüler dann auf sich selbst. Der Film endet damit, dass Rainer
Wenger wohl für die Anstichelung von Schutzbefohlenen und den damit verbundenen Tod eines Schülers verhaftet wird.
Im Gegensatz zu Morton Rhue’s Bestseller "The Wave" von 1981, der sich auf eine wahre Begebenheit von 1969 bezieht, hat Filmregisseur
Dennis Gansel die Geschehnisse in die heutige Zeit verfrachtet. Dadurch stößt der Film bei heutigen Jugendlichen mit Sicherheit auf mehr Interesse, aber vor allem sollte es wohl die
Zeitlosigkeit der Faschismus Problematik verdeutlichen. Leider, ich betone: LEIDER, wirkt der Film unheimlich gestellt. Jede Szene, jeder Dialog schreit „Keine Sorge, das ist nicht real, das ist
nur ein Film“ und eben dieses Gefühl tut dem Film nicht gut, und schon gar seinem eigentlich Sinn und Zweck. Schüler von heute haben, gerade was Lebenseinstellung und Verhalten angeht, so gut wie
nichts mehr mit Schülern von 1969 gemein. Heute kann ein Lehrer so cool sein wie er will. Um Jugendliche dazu zu bringen aufzustehen, bevor sie sprechen und um Grufties, Rocker und wie sie alle
heißen zum Tragen von weißen Hemden zu nötigen, bedarf es mehr als 2-3 Tage und bis die solch eine Aktion wie sie im Film geschildert wird, so krass finden, dass sie auch in ihrem Privatleben
danach handeln, bedarf es mehr als eine Projektwoche.
Die Schauspielerischen Leistungen von Jürgen Vogel lassen sehr zu wünschen übrig, denn selbst er in der Rolle des kumpelhaften Sport und Politiklehrers,
stolpert holprig über seinen Text und wirkt vor allem im Klassenzimmer wie ein Nachrichtensprecher der seinen Text ablesen muss. Der Dialog in der Klasse kommt recht hölzern daher und wirkt
abgehakt nicht flüssig. Dadurch werden die ernsten Themen der Autokratie unglaubwürdig. Hier wäre es durchaus ratsamer gewesen, gerade die Jugendlichen improvisieren zu lassen. Die
Schauspielkunst sucht man hier vergebens, daran konnte auch das Augenkullern der charmanten Christiane Paul nichts ändern.
Ebenfalls fatal wirkt der gewollte Versuch alle möglichen Charaktere unterzubringen. Da ist der Klassenclown, der Sportler, die Zicke, die Coole, das
Bonzenkind und natürlich der Freak. Fast wie ein Abriss aus „The Breakfast
Club“, nur dass dieser eben lustig sein sollte, und „Die Welle“ eigentlich keinen Grund zum Lachen gibt. Gansel versucht zwar anscheinend typische
Charaktereigenschaften und vor allem Erscheinungsbilder heutiger Jugendlicher einzufangen und schafft das auch, doch hat mir das Verhalten diverser Jugendlicher vor bestehen der Welle mehr
Gänsehaut bereitet als das Verhalten derselben in der späteren faschistischen Gemeinschaft. Wenn das noch mehr Zuschauern so erging, ich befürchte es fast, dann hat der Film tatsächlich am Ziel
vorbeigeschossen.
Fest steht: Faschismus war und ist immer noch ein böses Thema, das scheinbar irgendwo in dicken Büchern verschwunden ist und nur noch von „Stern“ und Co. hin und wieder aufgegriffen wird. Leider
sind es nicht nur die Sternleser, denen es an einer solchen Aufklärung bedarf. Empfehlen kann ich den Film leider nicht, zumindest nicht fürs Kino, und schon gar nicht für einen saftigen Preis
von mindestens 7 Euro. Wer tatsächlich wissen will, was die „Moral von der Geschicht’“ eigentlich ist, liest bitte das Buch!!!
So richtig erschreckend (das Lachen ist mir an einigen Stellen in der Kehle stecken geblieben) ist dieser kleine Film. Es handelt sich um die Uraufführung des Films für einige Münchner Schüler,
die sogleich auch ein paar Sätze dazu sagen sollten. Göttlich!!!
http://www.youtube.com/watch?v=QwbmK7G9Dcc