Freitag, 11. april 2008

Bachelor, ein englischsprachiger Begriff für „Junggeselle“, vom lateinischen „baccalaureus“ kommend, ist die Bezeichnung für meinen unheimlich desaströsen Studiengang. Nach 3 Jahren Credits Points sammeln und auf der Jagd nach dem Seminar, das mich wirklich interessiert, werde ich letztlich meinen Abschluss als Bachelor of Arts (Abgekürzt B.A.) vollenden und endlich in die freie Wirtschaft entlassen. Dann weiß nur Gott oder eben die Bundesagentur für Arbeit (Abgekürzt BA) was aus mir mal wird, bis dahin werde ich mich weiter mit dem Begriff befassen.

 

Schon frustrierend wenn man nach 6 Semestern schuften, nur mäßig als Akademiker bezeichnet wird, und zudem dann auch noch als Junggeselle. Mal ehrlich, das kann man für gewöhnlich auch ohne Studium und unzählige nervenaufreibende Prüfungsphasen. Aber irgendwie schleicht sich bei mir so langsam das Gefühl ein, dass mir der Bachelor auf die Stirn gemeißelt wurde. Irgendwann. Gott sei dank, haben die Deutschen, doch sonst so fleißig im Übersetzen, diesmal richtig gehandelt und den englischen Begriff nicht verändert. Wäre aber auch einfach zu peinlich, bei einem Bewerbungsgespräch sagen zu müssen….“Nein, ich bin kein Diplomand, ich bin Junggeselle“. Klingt nach einem schlechten Witz, für alle, die so wie ich, keine Wahl mehr hatten und genötigt wurden einen Bachelor Studiengang zu belegen, ist es das auch. Penetrante Erniedrigungen seitens Staatsexamler und Diplomanden ertragen zu müssen, schürt nicht nur den Hass unter Studenten, nein es bewirkt auch eine nicht zu unterschätzende Lust allen am Bologna Prozess beteiligten Personen den Allerwertesten wegblasen zu wollen. Nicht genug, dass man im Inland schon belächelt wird, wenn es um Vorstellungsgespräche geht, die man sich als Anglist natürlich auch mit Magisterstudenten geben muss, nein selbst im Ausland ist man nicht allzu begeistert von Deutschen B.A. Studenten. Da freut man sich zwar über den zuckersüßen Versuch der Bologna Fraktion, auch den deutschen Abschlüssen einen globalen Mantel aufdrücken zu wollen, aber da hätte man wohl doch mehr abschauen müssen. Etwas neues einzuführen und dem ganzen dann am Ende einen international bekannten Namen aufzudrängeln, heißt ja noch lange nicht, dass der Name allein eine große Akzeptanz zur Folge hat.

 

Bleibt mir persönlich als Beruflicher Junggeselle nur zu hoffen, dass meine Universität tatsächlich so renommiert ist für ihre Sprachwissenschaftsstudiengänge, wie sie behauptet. Aber auf Behauptungen soll man ja nix geben. Kein Wunder, wenn so viele Studenten wie meinereiner sich reihenweise für Master Studiengänge bewerben. Ja ja, nach dem Junggesellen kommt der Meister. Da gibt man sich lieber das Master Studium für Denkmalpflege, international auch „Heritage Conservation“ genannt, und regelmäßig wechselnden Studienordnungen, als zu einem Junggesellen auf Lebenszeit zu stehen. Das steht mir allerdings bevor. Beruflich auf jeden Fall, mein Ehrgeiz mir noch weitere 2  oder mehr Jahre an irgendeiner Uni zu geben, ist recht äh dünn, wenn nicht gar abhanden gekommen.

Privat zeichnet sich auch schon ein Ewigkeitsvertrag mit der Einsamkeit ab. Letzteres stört nicht allzu sehr, IKEA hat für alles die perfekten Wohnideen und solange ein Tegut in meiner Nähe ist, finde ich immer eine Singleportion. Das Gute ist ja, im Privaten Bereich, ist man ja eigentlich Junggeselle und Meister in einem, drum brauch einem ja auch der Aufstieg nicht mehr scheren --- es kann nur schlimmer werden.

von Odie veröffentlicht in: Uni
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Freitag, 11. april 2008

Wer hat gesagt, schlafen kann jeder? Das klingt nach Leichtigkeit, schon gar genetisch vorbestimmt. Wahrscheinlich isses sogar so gedacht, dass der Mensch einfach mal so schläft. Soll ja gesund sein. Warum ich allerdings zu der Sorte Mensch gehöre, die lieber Wach bleiben, und sich von einer Ecke in die Andere drehen und selbst bei den größtmöglichen Anflügen von psychischer Erschöpftheit kein Auge zumachen können, weiß ich nicht. Ich gehe einfach mal davon aus, dass mein Körper mittlerweile andere Wege gefunden hat, um auch mich in eine Art Ruhephase zu versetzen, damit meine Organe und vor allem die Nerven eine anständige Prise Silenzia genießen dürfen. Das nennt man dann Tagtraum. Passiert überall. Das sind dann die Leute, die im Radio als Geisterfahrer bezeichnet werden und Angst und Schrecken verbreiten. Gott sei Dank, schaltet sich mein Gehirn immer noch von selbst an und somit gehöre ich nicht zu dieser Risikotruppe. Aber anscheinend, leiden einige unter Schlafmangel.

 

Da ich des Nachts ja nicht schlafen kann, muss ich meine Tiefschlafphase auf morgens verschieben, wenn mein Geist dann so richtig im Arsch ist, und die Traumphase einige Überraschungen bereit hält. Dafür ist auch diese Kategorie gedacht. Einmal, damit ich schwarz auf Weiß endlich festhalten kann, was mein Gehirn mir nachts für grauenhafte Bilder übermittelt, zweitens damit sich der Rest daran belustigen kann.

 

Den ersten fabulösen Traum meines Lebens hatte ich vor unendlich vielen Jahren, aber ich kann mich heute noch genauso daran erinnern, wie damals am Tag danach. Ich hätte es niemals meiner Familie erzählen sollen, denn ich werde heute noch veräppelt, öffentlich, hinterlistig, gefolgt vom größten Gelächter. Die wissen genauso wie ich, dass der Traum ein höheres Zeichen meines psychischen Status war und so lachte man wohl lieber, als sich tatsächlich Gedanken über meinen Zustand zu machen. Ich träumte ich sei ein Radieschen und wurde irgendwann von einem Riesen auf einer Wiese aufgegabelt. Dieser Riese hatte nichts besseres zu tun, als ein Stück von mir abzubeißen. Dann warf er mich weg und ließ mich abgebissen da liegen.

 

Wie es sich so anfühlt ein Gemüse zu sein und Opfer einer so niederträchtigen Aktion zu werden, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich Radieschen seither mit anderen Augen betrachte und ich habe seit damals auch keine mehr gegessen. Woran das wohl liegt? Gottlob träume ich nicht mehr davon aufgefressen zu werden, aber so von der Grundsubstanz sind alle Träume gleich. Irgendwie bin ich immer der Depp.

 

von Odie veröffentlicht in: Mitten in der Nacht
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