Freitag, 11. april 2008

Bachelor, ein englischsprachiger Begriff für „Junggeselle“, vom lateinischen „baccalaureus“ kommend, ist die Bezeichnung für meinen unheimlich desaströsen Studiengang. Nach 3 Jahren Credits Points sammeln und auf der Jagd nach dem Seminar, das mich wirklich interessiert, werde ich letztlich meinen Abschluss als Bachelor of Arts (Abgekürzt B.A.) vollenden und endlich in die freie Wirtschaft entlassen. Dann weiß nur Gott oder eben die Bundesagentur für Arbeit (Abgekürzt BA) was aus mir mal wird, bis dahin werde ich mich weiter mit dem Begriff befassen.

 

Schon frustrierend wenn man nach 6 Semestern schuften, nur mäßig als Akademiker bezeichnet wird, und zudem dann auch noch als Junggeselle. Mal ehrlich, das kann man für gewöhnlich auch ohne Studium und unzählige nervenaufreibende Prüfungsphasen. Aber irgendwie schleicht sich bei mir so langsam das Gefühl ein, dass mir der Bachelor auf die Stirn gemeißelt wurde. Irgendwann. Gott sei dank, haben die Deutschen, doch sonst so fleißig im Übersetzen, diesmal richtig gehandelt und den englischen Begriff nicht verändert. Wäre aber auch einfach zu peinlich, bei einem Bewerbungsgespräch sagen zu müssen….“Nein, ich bin kein Diplomand, ich bin Junggeselle“. Klingt nach einem schlechten Witz, für alle, die so wie ich, keine Wahl mehr hatten und genötigt wurden einen Bachelor Studiengang zu belegen, ist es das auch. Penetrante Erniedrigungen seitens Staatsexamler und Diplomanden ertragen zu müssen, schürt nicht nur den Hass unter Studenten, nein es bewirkt auch eine nicht zu unterschätzende Lust allen am Bologna Prozess beteiligten Personen den Allerwertesten wegblasen zu wollen. Nicht genug, dass man im Inland schon belächelt wird, wenn es um Vorstellungsgespräche geht, die man sich als Anglist natürlich auch mit Magisterstudenten geben muss, nein selbst im Ausland ist man nicht allzu begeistert von Deutschen B.A. Studenten. Da freut man sich zwar über den zuckersüßen Versuch der Bologna Fraktion, auch den deutschen Abschlüssen einen globalen Mantel aufdrücken zu wollen, aber da hätte man wohl doch mehr abschauen müssen. Etwas neues einzuführen und dem ganzen dann am Ende einen international bekannten Namen aufzudrängeln, heißt ja noch lange nicht, dass der Name allein eine große Akzeptanz zur Folge hat.

 

Bleibt mir persönlich als Beruflicher Junggeselle nur zu hoffen, dass meine Universität tatsächlich so renommiert ist für ihre Sprachwissenschaftsstudiengänge, wie sie behauptet. Aber auf Behauptungen soll man ja nix geben. Kein Wunder, wenn so viele Studenten wie meinereiner sich reihenweise für Master Studiengänge bewerben. Ja ja, nach dem Junggesellen kommt der Meister. Da gibt man sich lieber das Master Studium für Denkmalpflege, international auch „Heritage Conservation“ genannt, und regelmäßig wechselnden Studienordnungen, als zu einem Junggesellen auf Lebenszeit zu stehen. Das steht mir allerdings bevor. Beruflich auf jeden Fall, mein Ehrgeiz mir noch weitere 2  oder mehr Jahre an irgendeiner Uni zu geben, ist recht äh dünn, wenn nicht gar abhanden gekommen.

Privat zeichnet sich auch schon ein Ewigkeitsvertrag mit der Einsamkeit ab. Letzteres stört nicht allzu sehr, IKEA hat für alles die perfekten Wohnideen und solange ein Tegut in meiner Nähe ist, finde ich immer eine Singleportion. Das Gute ist ja, im Privaten Bereich, ist man ja eigentlich Junggeselle und Meister in einem, drum brauch einem ja auch der Aufstieg nicht mehr scheren --- es kann nur schlimmer werden.

von Odie veröffentlicht in: Uni
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Freitag, 11. april 2008

Wer hat gesagt, schlafen kann jeder? Das klingt nach Leichtigkeit, schon gar genetisch vorbestimmt. Wahrscheinlich isses sogar so gedacht, dass der Mensch einfach mal so schläft. Soll ja gesund sein. Warum ich allerdings zu der Sorte Mensch gehöre, die lieber Wach bleiben, und sich von einer Ecke in die Andere drehen und selbst bei den größtmöglichen Anflügen von psychischer Erschöpftheit kein Auge zumachen können, weiß ich nicht. Ich gehe einfach mal davon aus, dass mein Körper mittlerweile andere Wege gefunden hat, um auch mich in eine Art Ruhephase zu versetzen, damit meine Organe und vor allem die Nerven eine anständige Prise Silenzia genießen dürfen. Das nennt man dann Tagtraum. Passiert überall. Das sind dann die Leute, die im Radio als Geisterfahrer bezeichnet werden und Angst und Schrecken verbreiten. Gott sei Dank, schaltet sich mein Gehirn immer noch von selbst an und somit gehöre ich nicht zu dieser Risikotruppe. Aber anscheinend, leiden einige unter Schlafmangel.

 

Da ich des Nachts ja nicht schlafen kann, muss ich meine Tiefschlafphase auf morgens verschieben, wenn mein Geist dann so richtig im Arsch ist, und die Traumphase einige Überraschungen bereit hält. Dafür ist auch diese Kategorie gedacht. Einmal, damit ich schwarz auf Weiß endlich festhalten kann, was mein Gehirn mir nachts für grauenhafte Bilder übermittelt, zweitens damit sich der Rest daran belustigen kann.

 

Den ersten fabulösen Traum meines Lebens hatte ich vor unendlich vielen Jahren, aber ich kann mich heute noch genauso daran erinnern, wie damals am Tag danach. Ich hätte es niemals meiner Familie erzählen sollen, denn ich werde heute noch veräppelt, öffentlich, hinterlistig, gefolgt vom größten Gelächter. Die wissen genauso wie ich, dass der Traum ein höheres Zeichen meines psychischen Status war und so lachte man wohl lieber, als sich tatsächlich Gedanken über meinen Zustand zu machen. Ich träumte ich sei ein Radieschen und wurde irgendwann von einem Riesen auf einer Wiese aufgegabelt. Dieser Riese hatte nichts besseres zu tun, als ein Stück von mir abzubeißen. Dann warf er mich weg und ließ mich abgebissen da liegen.

 

Wie es sich so anfühlt ein Gemüse zu sein und Opfer einer so niederträchtigen Aktion zu werden, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich Radieschen seither mit anderen Augen betrachte und ich habe seit damals auch keine mehr gegessen. Woran das wohl liegt? Gottlob träume ich nicht mehr davon aufgefressen zu werden, aber so von der Grundsubstanz sind alle Träume gleich. Irgendwie bin ich immer der Depp.

 

von Odie veröffentlicht in: Mitten in der Nacht
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Donnerstag, 10. april 2008

Was? schon vorbei? Ja...das Ende naht. Nein die Apokalypse lässt immernoch auf sich warten, gemeint ist, der heißersehnte Semesterstart in Bayern. So viele Wochen der Langweile und Verdriesslichkeit sind endlich vorbei, finally gibts wieder was zu tun. Das wurd auch Zeit, gut als Sprachwissenschaftler hat man ja eigentlich nix zu tun, sagt man, als Bachelor Student schon mal garnicht, sagt man, und mit der richtigen Planung kann man auch einem recht chilligen Sommersemester entgegenschaun, sagt man. Irgendwie beflügelt mich der Gedanke, an 20 SWS gar sehr zur Zeit, das war schon mal schlimmer und allein mit dem Wissen, dass die tatsächlichen Arbeitsstunden in den nächsten Semestern sogar noch abnehmen, bin ich engagiert und vorfreudig wie noch nie. Da ich mir bisher noch keine realistischen Gedanken darüber gemacht habe, was die Fülle an Seminaren, die ich mir dieses Semester antun will, für den Semesterschluss eigentlich bedeuten, will ich hier ein wenig von meinen Plänen berichten, damit ichs schwarz auf weiß habe und noch rechtzeitig was daran ändern kann. Puhh dann mal los.

Also Montags werde ich mich dem zweiten Kurs meiner Französischen Studien hingeben. Eine nette, kleine, Madame irgendwas wird uns die französische Kultur und nebenbei auch noch die Sprache näherbringen, und hoffentlich dafür sorgen, dass ich mehr Spaß daran habe, als im letzten Semester. Oder in den unfassbar weit zurückliegenden 7 Schuljahren, die mir auch schon Spaß am "Vie en France" mitgeben sollten. Außer Crêpes backen und das Leben von Pierre Roussel und seiner Schwester Nicole habe ich bisher leider nichts von Frankreich erfahren. Dieser besagte Kurs erwartet mich Montags von 16 bis 18 Uhr. Ich bin mit Sicherheit diesmal nicht so blöd, wie im vergangenen Semester, meinen Montag so vollzupumpen, damit ich den Rest der Woche chillen kann. Lieber chill ich den ganzen Montag Vormittag, als den Rest der Woche für den Montag vorzuschlafen.

Dienstag dann mein Lieblingstag. Dieser unheimlich biedere Wochentag beginnt erst um 12 mit einem naja sagen wir pflichterfüllenden Seminar in, oh gott ich trau mich garnicht es zu schreiben..BWL.... Ja ich habe es gewagt  BWL als Nebenfach zu wählen, ja es ist mir durchaus bewußt, dass es ein furchtbares Fach ist, und eigentlich überhaupt nicht gemacht für einen Schreiberling. BWLer mögen Schreiberlinge nicht, zumindest nicht die, die die einfachsten, simpelsten Fakten in schöne Worte fassen, um sie begreiflicher zu machen. Erste Devise in BWL: Versteh es nicht, sondern lern es auswendig (Ein Unding), zweite Devise: drück dich möglichst umständlich aus, damit dich keine Sau versteht, dritte Devise: Kaufe und Lerne nie ein Buch, dass dein Prof nicht mitverfasst hat. Dieses besondere BWL Fach schimpft sich "Internationales Management Kurs Nummer I". Ein weiteres lustiges Mirakel an meiner Universität und diesem besonderen Lehrstuhl ist ja, dass Kurse zwar Nummeriert sind, aber überhaupt nicht aufeinander aufbauen. Also Kurs 3 der mit ebenfalls an einem Donnerstag blüht, hat mit dem ersten dann rein garnichts mehr zu tun. Gott sei Dank war mir das schon letztes Semester bewusst, drum hab ich Kurs Nummer 2 schon belegt und lerne die Basics dann dieses Jahr. Jucheeee!!!
Nach dem Wirtschaftskrams droht mir dann das größte Unglück überhaupt. Ein ganz besonderer Kurs in Literatur der Kononialzeit. Meine Universität hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, ein unheimlich angesehen Afrikaforschungszentrum zu errichten, einzuführen, zu unterstützen whatever und so werden auch Anglisten mit allerlei Afrikanischem Bim Bam von anno dazumal gequält. Darüber weiß ich nun grad nichts zu sagen, und ich bin mir auch sehr sicher ich werde auch nach diesem Semester nichts dazu zu sagen haben,also ich lass mich überraschen und hoffe auf einen netten Dozenten, der mir das Thema für eine Hausarbeit in den Mund legt und mich weitere 2 Semester dran schreiben lässt. Hoffentlich ists kein Gastdozent.
So das wars also für Dienstag.

Mittwochs ist die Sachlage dann schon spannender. Mittags erwartet mich ein hoffentlich gutes Hauptseminar über Erzählstile und Arten in den neuen Medien. Hauptthema werden...haha...die neuzeitliche Bloggerei sein, obwohl ich persönlich befürchte..dass die für Literaturwissenschaften urübliche Frage nach dem Sinn und Zweckverfremdung von Literatur aufkommen wird, und wieder hochphilosophische Diskussionen entstehen. Hoffentlich sind die Kaffeeautomaten nächstes Semester gut gefüllt, sonst muss ich wohl wieder jemanden für mich unterschreiben lassen ...huch!Ja zu späterer Stunde des Tages muss ich einen weiteren Französisch Kurs über mich ergehen lassen. Gott sei dank nur alle 2 wochen. Allerdings findet naturellement zur selben Zeit ein anderer BWL Kurs statt, den ich unbedingt machen will, weil sonst ist die Prüfungsphase viel zu langweilig. Mal schaun, wen man da wieder bestechen muss, und vor allem wie. Aber BWLer sind Gott sei Dank für Verhandlungen immer zu haben. Ich glaub die nutzen die Uni auch nur zu Übungszwecken. So ne Art prelaborative Trainingseinheiten. Ich steh bei sowas ja eher auf "Veni, Vidi, Vici", mal schaun obs klappt.

Donnerstag, der HASSTAG überhaupt, beginnt mitten in der Nacht, also um zehn uhr morgens, mit -- ich kanns nicht fassen: -- "Finanzwirtschaft". Was die sich bei dem Kurs denken und wieso man gerade mir sowas aufhalsen muss weiß ich nicht, aber ich werde zumindest da nicht als Sieger hervortreten. Aber bestanden ist bestanden und mehr Ehrgeiz kann ich für sowas leider nicht entwickeln. Passt scho. Leider beißt sich selbstverständlich auch dieser Kurs mit einem weiteren BWL Seminar, nämlich "Dienstleistungsmarkting II." Oho, ja den ersten Kurs habe ich letztes Semester schon absolut fantastisch hinter mich gebracht. Ja das war Ironie. Ich hoffe nun auf mehr Erfolg, aber ich seh dem ganzen zuversichtlich entgegen. Aber allein der Gedanke auch hier mit einem übermütigen BWLer diskutieren und verhandeln zu müssen, bringt mich schon jetzt um den Schlaf. Mal sehn, was das gibt. Hoffentlich ein junger, hübscher Dozent. Die sind ja...naja noch empfänglich für weibliche........................................................Eigenschaften oder so!!???
Danach folgt ein unheimlich chilliger Kurs bei meinem Lieblingslektor an der Uni. Jung, dynamisch, frech und höchstwahrscheilnich homosexuell. Aber was solls, auch hier stecken wir guten Noten ein, ich muss mich nur zusammenreißen und immer anwesend sein. Dann klappt das auch und dann wars das auch mit den nervigen Sprachkursen.
Abschluss dieses äußerst puhh...aufmüpfigen Tages wäre dann ein weiterer BWL Kurs. Der dritte der "Internationalen Management" Folge. Ausnahmsweise mal einer der nicht verschoben werden muss. WOW ein Kurs ohne stressige Gespräche. Die führe ich persönlich ja auch lieber am Ende vom Semester. Wenn man die Frustration über die gegebenen Aufgaben, dann mal an der total falschen Person auslassen kann. Das sind dann vorzugsweise die unmöglichen Damen beim Prüfungsamt. Energie is ja ein "knappes Gut", wie es ein BWLer ausdrücken würde, und so werde ich nicht gleich am Anfang vom Semester mein ganzes Pulver verschiessen.

Freitag kommt dann das beste. Ein Seminar, beim chilligsten Dozenten überhaupt. Der dir ja schon die Hausarbeiten so gut wie auf den Tisch legt, du musst eigentlich nur noch abschreiben und schwupp...klappts auch mit der 1.

Weil das alles aber noch nicht genug Stress bewirkt, muss man ja noch eins draufsetzen und ein Projektseminar belegen. Dieses findet unabhängig von irgendwelchen Seminaren statt, stattdessen rauft man sich mit anderen Leuten zusammen, die man bestenfalls mag, schlimmstenfalls einfach mehr leiden kann als die anderen, dann untersucht man ein Thema, ganz ohne große Hilfestellung und schreibt fröhlich ein paar Monate vor sich hin und keiner weiß was dann passiert. Ich lass mich auch hier überraschen. Ich befürchte das schlimmste wie immer, und vor allem mehr Arbeitsaufwand, als mir meine Geldgier und damit verbundene Sehnsucht nach einem Job erlaubt, aber naja....let's see.
Schön ist dieses Semester ja vor allem, dass ich Samstag zu Hause bleiben und schlafen kann. Wenn denn nichts schief läuft.

Da ich mir und meinem Geist, ach vor allem meinem Körper endlich mehr Aufmerksamkeit schenken möchte, gehts so einige Male in die Turnhalle und auf den Tennisplatz. Mal sehn. Gegen Mitte Juni werde ich tot auf dem Rasen liegen und da werden auch OREO Kekse nicht mehr helfen, aber somit erspar ich mir zumindest die schrecklichen Wochen darauf in denen  mich 6 Klausuren, vielleicht sogar 7 oder 8, 3 Hausarbeiten und eine Projektarbeit grinsend erwarten.

Wenn ich dann für ca. 6 Wochen an meinen Schreibtisch gefesselt bin, erwartet mich vielleicht sogar das schlimmste für einen Bachelorstudenten ever...Ein Praktikum. Womit man seine Zeit so vergeuden kann. Credit Points sind der Tod eines jeden Studienfachs. So gehts eigentlich bei meinem Studium garnicht so sehr darum, etwas zu studieren, dass einen wirklich interessiert, nein zuvorderst macht man das was die Studienordnung so von einem verlangt. Das ist meistens der größte Schwachsinn, aber gut...Bologna Prozess...man soll ja nicht meckern.

Ich persönlich widme mich glaub ich jetzt mal einer Erneuerung meines Stundenplanes, irgendwie bekomm ichs grad mit der Angst zu tun...ich wusste es...und mach mal einen Zeitplan für eine perfekte Prokrastination. So denn
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von Odie veröffentlicht in: Uni
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Montag, 7. april 2008

Huch!. Bevor ich damit beginne, den neuen Film „Kirschblüten – Hanami“ von Regisseurin Doris Dörrie in den Himmel zu loben, möchte ich anmerken, dass ich vor einiger Zeit die Sektion „Deutscher Film“ ziemlich verrissen hab. Als Entschuldigung hier eine übliche Phrase: Ausnahmen bestätigen die Regel! J so denn:

 

Das Ehepaar Rudi (Elmar Wepper) und Trudi (Hannelore Elsner) lebt das typische Alltagsleben. Während Rudi seiner Arbeit nachgeht und von seiner Frau nur am Rande Notiz nimmt, so kümmert sie sich um den  Haushalt, pflegt ihren kränkelnden Mann und gibt die aufopfernde und hilfsbereite Gattin. „An apple a day keeps the doctor away“ lautete Rudis Devise, mit der er bisher glückselig durchs Leben kam, doch das Glück wird zumindest für Trudi gänzlich geschmälert, als sie erfahren muss, dass ihr Mann an Krebs erkrankt ist und seine Zeit abläuft. Da sie ihren Mann noch einige schöne Wochen bescheren möchte, verschweigt sie ihm die Diagnose und versucht ihn zu mehr Aktivitäten zu überreden, die er entweder total ablehnt oder meckernd und maulend verdirbt.

Der Besuch bei den Kindern endet mit der ernüchternden Feststellung, dass weder die Kinder ihren Eltern, noch die Eltern ihren Kindern etwas zu sagen haben und so ziehen Rudi und Trudi weiter Richtung Küste, doch auch dort gibt sich Rudi äußerst unzufrieden und wünscht sich seinen Alltag zurück. Trudis Versuche ihren Mann zu einem Besuch bei ihrem Sohn in Japan zu überreden, scheitern an dessen Unlust und Egoismus.

Als Trudi unerwartet stirbt, muss sich Rudi in einer neuen Situation zurechtfinden, die ihm keine Chance für Egoismus und Unlust lässt und somit muss er erfahren, wie viel ihm seine Frau bedeutet hat, deren Anwesenheit er jahrelang als selbstverständlich abgetan hat. Da seine Frau einst ihren größten Wunsch, eine Butohtänzerin zu werden, für die Familie und vor allem für Rudi aufgeben musste, möchte er an ihrer Stelle in das Land reisen. Er besucht den gemeinsamen Sohn, den Trudi wegen Rudis Weigerung nicht mehr sehen konnte, und lernt das fremde Land und die fremde Kultur nur sehr zögerlich und mit einigen Problematiken kennen .Schließlich freundet er sich mit einer jungen Buthotänzerin an, die ihm die Kultur des Landes und vor allem den Ausdruckstanz näher bringt, und ihm über den Tod seiner Frau hinweghilft.

 

Doris Dörrie, die ebenfalls das Drehbuch geschrieben hat, fängt mit dem Film mehr als einmal unheimlich realistische Situationen ein, die jedem irgendwie bekannt vorkommen dürften. Sei es die typischen Alltagssituationen von Trudi und Rudi, oder eben die Zeit bei ihren Kindern. Die Diskussionen und sehr deutlich zu Tage tretenden Emotionen, gerade der Kinder, sind wunderschön gespielt und haben schon leicht satirischen Charakter. Das Leben der Kinder wird jahrelang ignoriert und offensichtlich wissen die Eltern auch nicht wirklich bescheid, wer ihre Kinder sind, bzw. was aus ihren Kindern geworden ist. Hannelore Elsner spielt sehr gefühlvoll und gibt die verzweifelte Ehefrau, die zeit ihres Lebens nur ihre Familie glücklich machen wollte, nur um selbst letztlich unglücklich sterben zu müssen. Schon zu Beginn des Films ist die Rolle der Trudi entscheidender Motor für die Handlung. Sie treibt ihren Mann an und ohne sie scheint die Handlung stecken zu bleiben. Dieser Einschnitt ist hervorragend geraten, leider ist die zweite Hälfte des Films tatsächlich erzählerisch sehr vom Stillstand geprägt. Der Motor fehlt. Ab hier wirkt der Film teils träumerisch überzogen und die Handlung verliert an Realität. Das farbenfrohe, schnelle und hektische Leben in Japan steht in Kontrast zu der Schönheit, Emotionalität und Traurigkeit, die mit der Szenerie der Kirschblüten, des Ausdruckstanzes und Rudis Verlust verbunden sind.

 

Auch, wenn der Film an einigen Stellen unheimlich an Sophia Coppolas "Lost in Translation" erinnert, selbstverständlich auf die Darstellungen der japanischen Sitten und Kultur bezogen, so sollte man sich hier bei der Kritik etwas zurückhalten und dem Film seine Einzigartigkeit dann doch gönnen. Doris Dörrie beschreibt das Leben zweier gewöhnlicher Menschen, die es in ihrem gemeinsamen Leben versäumt haben aufeinander und die Wünsche des anderen einzugehen. Der Tod Trudis hat Rudi einen neuen Blickwinkel auf die Welt eröffnet und seine Einsamkeit hinzu eigenen Antrieb, den er vorher nicht hatte. Der Film ist auch ein Fingerzeig auf Ignoranz, gerade innerhalb einer Familie. Menschen die beisammen sind, kennen sich nicht, oder wollen sich nicht kennen und werden sich ihrer Emotionen erst bewusst, wenn die Situation sich derart plötzlich und schrecklich verändert. Der Film handelt vom Kennen lernen und von der Aufmerksamkeit, die ein Mensch einem anderen schenkt, aufgrund dessen Tod.  Eine Aufmerksamkeit, die man durchaus schon früher hätte schenken sollen.
More Hugs for free!

von Odie veröffentlicht in: Filme
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Montag, 7. april 2008

Komisch , komisch. Als gebürtiger Hesse kommt man sich in Bayern ab und an, und wenn dann sehr deutlich, vor wie ein Austauschschüler. Die Sprache versteht man irgendwie, aber auch nur wenn sich nicht 2 Muttersprachler unterhalten, aus der Politik sollte man sich ganz raushalten, weil man ja eh keine Ahnung hat, und diverse Bayrische Marotten, man nehme nur die Jahreszeitenunabhängige Volksfestmanie, macht man mit, aber irgendwann schickt’s halt auch mal. Dann möchte man gern mal wieder in die Heimat, möglichst kein Bier trinken und mit Leuten reden, die dieselbe Sprache sprechen. Leider bin ich an Bayern gekoppelt und kann mir solch schöne Ausflüge ins Äpplewoiland grad nicht gönnen, deshalb ertrage ich mein Leid und lästere derweil ausgiebig über das lustige Ländle.

 

Bayern ist ja nicht so, wie andere Bundesländer sind. Bayern macht ja immer seine eigenen Regeln. Nicht nur, dass es hier die CSU und nicht die CDU gibt, nein auch bei Gesetzesneuerungen hinkt Bayern erstens immer hinterher, zweitens gibt’s hier immer ne extra Wurscht. So auch beim Nichtraucherschutzgesetz, das eigentlich ja schon letztes Jahr in Kraft getreten ist, also laut Gesamtdeutschen Beschluss. Bayern konnte sich ja erst zu Beginn des Jahres 2008 dazu durchringen und trotzdem---läuft in Bayern immer noch alles anders.


Während mein Heimatbundesland Hessen es vorzieht so genannte „Raucherräume“ zu genehmigen, falls die Wirte denn mit Leib und Seele an ihren qualmenden Kunden hängen, so meinen die Bayern, das sei viel zu schwach angelegt, selbst durch Türen, sei den Nichtrauchern der Tod noch sicher und so werden Raucher hier auf die Straße gejagt. Denkste…..nix da. Raucher sind hier plötzlich herzlich Willkommen. Statt bösen Gesichtern, wenn man sich als Raucher outet überreicht man dir sogleich einen Aschenbecher und freut sich über deinen Besuch und nicht nur das. Man stelle sich vor man betritt eine kleine Kaschemme und wird sogleich gefragt, ob man Mitglied im Raucherclub ist. BITTE? Nein, selbstverständlich sind meine Ambitionen einen aus einer Laune entstandenen Verein beizutreten nicht sonderlich stark, mal ganz davon abgesehen, dass man ihn auch Krebspatientenclub nennen könnte und das nicht mal halb so schön beitretungswürdig klingt. Es reicht anscheinend nicht mehr, öffentlich zu bekunden, dass man kein Problem mit dem Gequalme seiner Tischgenossen hat, nein seit neuestem muss man dafür Kohle abdrücken und seine Personalien an eine wildfremde Clubgemeinschaft abgeben, die scheinbar aus lauter bayerischer Wirtsfürsorge innerhalb weniger Wochen eine Art Subkultur geschaffen hat. Wer nicht dabei sein will, tja der muss draußen bleiben. Der ist dann aber auch selbst schuld, immerhin sind auch Nichtraucher herzlich eingeladen, dem Raucherclub beizutreten, Überzeugung hin oder her….aber wer entscheidet sich dagegen, wenn ihm der totale Ausschluss droht? Harmlose Kneipenbesitzer bäumen sich vor dir auf und fragen zuallererst nach deiner Mitgliedschaft. Da kommt schon ein leichter Faschismus durch. Wer nicht mitmacht wird gedisst und zudem auch noch mit einem nicht gerade bittenden Unterton nach draußen verwiesen. Da schaut man sich dann das nette Dackelbild an der Tür an, mit einem fröhlich dir ins Gesicht pinkelnden „Wir müssen draußen bleiben“ und du weißt genau, wo ungefähr du dich auf der Gesellschaftskette befindest. Im Hessischen Raucherraum wär so was ja nicht passiert. Da geht man stolz an den Nichtrauchertischen vorbei und freut sich, dass man mit viel zu vielen Rauchern und viel zu schlechten Lüftungsanlagen in einem Raum sein darf und am eigenen Qualm fast erstickt. Aber gut. In Bayern ist halt alles anders. Da wehrt man sich noch. Bei den Studiengebühren hat zwar der ganze Freistaat gepennt, aber wenn’s um Menschliche Bedürfnisse geht, vor allem die Tödlichen, da simma dabei. Und dann kämpfen wir mit harten Bandagen um das recht auch weiterhin die Massen einräuchern zu dürfen.

Das Nichtraucherschutzgesetz hat man hier ja mal völlig falsch verstanden. Oder vielleicht auch endlich mal richtig, man weiß es nicht. Die Bayern haben ja das beste Abitur ganz Deutschlands, also wenn’s die Bayern nicht verstehen, wer dann? Hier heißt das dann eher „wer den Nichtraucher schützt, wird gnadenlos ignoriert“. Da hat der Bayer, obwohl er sich so ins Zeug gelegt hat, das global schärfste Nichtraucherschutzgesetz durchzusetzen, natürlich voll ins Klo gegriffen. Aber wer konnte denn ahnen, dass die Wirte sich gerade hier so gegen die Obrigkeit aufbäumen. Ich bin gespannt wie's weitergeht. Ich habe mich selbst dazu nötigen lassen, beizutreten. Wer schwimmt schon gerne gegen den Strom, bzw. wer steht schon gerne draußen wenn’s regnet und gut das bisschen Geld kann ich mir auch noch leisten. Aber wo zum Teufel bleibt mein Mitgliedsausweis, als Freifahrtschein für diverse Raucherclublokalitäten im schönen Freistaat? Gibt’s so was wie ne Familycard? Kann ich Happy Digits sammeln? Läuft die Mitgliedschaft nach einem Jahr ab oder heißt das jetzt PRO Qualm auf Lebenszeit. Gibt’s Prozente auf diverse Tabakwaren?
Irgendwie fehlt’s da noch am nötigen Programm, oder einer Opposition.

von Odie veröffentlicht in: Allgemein
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